Meerrettich (Armoracia rusticana)

auch Kren

Wirkung:

verdauungsfördernd, durchblutungsfördernd, hautreizend, schleimlösend, stoffwechselanregend, blähungswidrig, krebsvorbeugend, antibiotisch, antibakteriell, antiviral, antiseptisch, harntreibend, stimulierend, abführend, kreislaufanregend, hustenlösend, antimikrobiell,  bakteriostatisch bzw. bakterizid, fungistatisch

Anwendungsbereiche:

stärkt die Abwehrkräfte, kurbelt die Fettverdauung an, Bronchitis, Katharren der Luftwege, Erkältungskrankheiten, Husten, Grippe, Fieber, Infektionen der Atemwege, Asthma, Entzündungen der Harnwege, Harnwegsinfektionen, Infektionen der ableitenden Harnwege, fördert den Kreislauf, durchblutet die Schleimhäute, Blutdruckregulierend, Gicht, Rheuma, Arthritis, Brustfellentzündung, Rippenfellentzündung, Nerven- und Kopfschmerzen, Frostbeulen, hoher Blutdruck, Sommersprossen, Leberflecke, Müdigkeit, Neuralgien, entzündete Wunden, Verdauungsbeschwerden, Dreitagefieber, Skorbut, Wassersucht, Wechselfieber, Ohrenweh, Insektenstichen, Ischias, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Störungen, wirkt günstig auf die Absonderung des Gallenflusses (Fettverdauung), Streptokokken- und Staphylokokken-Infektionen, hyperämisierenden Behandlung bei leichten Muskelschmerzen

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzel

Sammelzeit:

Spätherbst oder Vorfrühling

Zu finden:

Meerrettich wächst hauptsächlich bei Bauern oder in Gärten. Seine Herkunft liegt wahrscheinlich in der Ukraine und dem angrenzenden Russland. Er ist ein Neophyt in fast der gesamten nördlichen Halbkugel. Verwildert findet man Meerrettich an feuchten Wiesen, Bächen und Flussufern.

Inhaltsstoffe:

Glykosinolate, Vitamin C, Vitamine B1, B2 und B6, Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen, Phosphor, Senföl, Aminosäuren, Asparagin und Arginin, brennbares, ätherisches Öl

Sonstiges:

Der Meerrettich ist eine ausdauernde Pflanze, die 50 bis 120 Zentimeter hoch wird, gelegentlich bis zu 2 Meter. Diese winterharte Pflanze übersteht Temperaturen bis −50 °C. Die Wurzel ist senkrecht, walzenförmig und erreicht eine Länge von 30 bis 40 Zentimetern mit einem Durchmesser von 4 bis 6 Zentimetern. Bei guten Bedingungen kann die Wurzel bis zu 60 Zentimeter lang werden. Die äußere Wurzelfarbe ist schmutzig gelb-braun, während das Innere weiß und etwas faserig ist. Alle Pflanzenteile sind unbehaart. Die Blätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert, wobei die Grundblätter bis zu 60 Zentimeter lang sein können. Die Blütezeit reicht von Mitte Mai bis Juli, mit Blütenständen, die bis zu 1,20 Meter hoch werden. Die Blumen sind stark duftend, vierzählig und haben weiße Kronblätter, die bis zu 8 Millimeter lang sind. Es gibt sechs Staubblätter und eine halbkugelige Narbe. Schoten können unvollständig ausgebildet sein, mit jeweils vier bis sechs Samen.

🛑 Eine Überdosierung kann die Schilddrüse schädigen und zu Magenentzündungen führen! Kinder bis zu 6 Jahren, Schwanger und stillende Mütter sollten auf ihn verzichten. Bei der Anwendung auf der Haut ist Vorsicht geboten. Er kann Hautreizungen und Blasenbildung verursachen. Früher ging man davon aus, dass bei Blasen- und Nierenleiden kein Meerrettich gegessen werden sollte, da große Mengen Meerrettich Nierenbluten auslösen könnten. In der Fachliteratur des 21. Jahrhunderts wird dieses Problem nicht mehr berichtet.

Kombiniert mit Kapuzinerkresse wird die Meerrettichwurzel als Phytotherapeutikum zur Behandlung von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt. Studien zeigen, dass die Kombination der beiden Pflanzen antibakterielle Wirkung gegen 13 relevante Bakterienstämme hat, darunter MRSA und Pseudomonas aeruginosa, und zusätzlich entzündungshemmend wirkt. In der 2017 aktualisierten S3-Leitlinie zur Therapie von Harnwegsinfektionen wird die Verwendung von Kapuzinerkresse und Meerrettich als pflanzliche Behandlung bei häufigen Blasenentzündungen empfohlen.

Trägt man ein Stück Meerrettich in der Tasche oder im Geldbeutel, schützt es vor Hexen und wütenden Hunden.

Der Meerrettich hat bakterienhemmende (antibiotische) und krebsvorbeugende Stoffe, die ihn zu einem wertvollen Lebensmittel machen. Das sind schwefelhaltige Substanzen, die auch im Knoblauch vorkommen (wie Allicin und Sinigrin), welche in der Lage sind, schädliche Bakterien abzutöten und gleichzeitig das Immunsystem zu stärken. Darüber hinaus verleihen diese Inhaltsstoffe dem Meerrettich seine scharfe Note und machen ihn zu einem sehr gesunden Gewürz, das nicht nur in der Küche als Geschmacksgeber geschätzt wird, sondern auch in der Naturheilkunde häufig Anwendung findet. Seine positiven Eigenschaften können sogar die Entzündungsreaktionen im Körper reduzieren und tragen so zur allgemeinen Gesundheit bei.

In den Meerrettichanbaugebieten sind Gerichte mit Meerrettich alltäglich. Die Rohwurzel hat keinen Geruch, aber wenn sie geschnitten oder gerieben wird, entwickelt sie einen scharfen, reizenden Geruch. Dieser entsteht durch Allylisothiocyanat, das bei Zellverletzung aus Sinigrin gebildet wird. Vor der einfachen Verfügbarkeit von Pfeffer waren Meerrettich und Senf die einzigen scharfen Gewürze in der deutschen Küche und wurden häufig verwendet. Trocknet oder kocht man die Wurzel, verliert sie ihr scharfen Geschmack.

In der Küche wird Meerrettich als scharfes, pikantes Gewürz zum Beispiel bei Fleischgerichten und zu geräuchertem Fisch genutzt. Aber Vorsicht, beim Kochen verliert er wirksame Inhaltsstoffe. Die Blüten sind eine essbare Dekoration für Salate, Suppen und deftige Gerichte. Die Blätter können roh oder gekocht als Gewürz für vielerlei Speisen verwendet werden. Meerrettich wird oft zu Räucherfisch, Tafelspitz, Sauerfleisch, Roastbeef, Schinken und Würstchen serviert. Er wird auch als Gewürz für Quark oder Frischkäse in Brotaufstrichen verwendet und häufig mit Sahne als Sahnemeerrettich zubereitet. In der Lebensmittelindustrie wird Meerrettich mit Senfkörnern zu Wasabi-Pulver verarbeitet, das als kostengünstiger Ersatz für echten Wasabi dient. Zusammenfassend gibt es verschiedene Zubereitungsarten für Meerrettich, darunter Meerrettichsenf und Preiselbeer-Sahnemeerrettich, die oft zu Wild gereicht werden. Der Apfelkren und Semmelkren sind beliebte Beilagen zu gekochtem Rindfleisch, insbesondere Tafelspitz. Meerrettich-Creme passt ebenfalls gut zu gedünstetem Fisch. Neben der rohen Verwendung findet Meerrettich auch in gekochter Form Anwendung, insbesondere in Regionen wie Franken, Hessen, der Pfalz und der Lausitz.

Die Wurzel wird im Herbst geerntet, von überschüssigem Material befreit und in feuchtem Sand gelagert. Im Erwerbsanbau werden sie in Foliensäcke verpackt und bei −2 °C aufbewahrt, um eine lange Lagerfähigkeit bis zur nächsten Ernte zu gewährleisten. Eine Lagertemperatur bis −5 °C ist empfehlenswert, da höhere Temperaturen die Wurzeln gummiartig machen. Während der Lagerung verlieren die Wurzeln allmählich ihre Schärfe, die direkt nach der Ernte am stärksten ist. Einige Wurzeln bleiben im Winter im Feld stehen und werden im Frühjahr geerntet, ohne dass sie in dieser Zeit an Qualität verlieren.

Hildegard von Bingen: So du Schmerzen an Lunge und am Herzen hast, nehme nach dem Essen das Pulver von getrocknetem Blättern und gleichen Teilen Galgant. Nehme längere Zeit davon, in warmem Wein oder in warmem Wasser, trinke es.

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