Alraune (Mandragora officinarum)

SEHR GIFTIG

Wirkung:

schlaffördernd (bis hin zum ewigen Schlaf), aphrodisierend, bewusstseinsverändernd

Anwendungsbereiche:

Arthrose, Gallenschwäche, Gelenkknorpelentzündung, Hitzeentwicklung auf der Haut, kalte Füße, Ischias, Keuchhusten, Magengeschwüre, Schmerzen, Trauma, Zahnschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen, Ängste, psychische Beklemmungen, Anästhetikum, bei schweren Entbindungen, Narkotikum, Aphrodisiakum, Halluzinogen

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzel, Blätter

Sammelzeit:

Wurzel in der Vollmondnacht zur Sonnenwende

Zu finden:

In Norditalien, Dalmatien, Rumänien und Bulgarien

Inhaltsstoffe:

Hyoscyamin, Scopolamin, Atropin, Solandrin, Mandragorin

Sonstiges:

Die Gemeine Alraune ist eine stängellose, ausdauernde krautige Pflanze mit einer kräftigen, oft in zwei bis drei Teile gespaltenen Pfahlwurzel, die bis zu 40 Zentimeter tief reicht. Die Laubblätter bilden eine Rosette, sind gestielt und meist elliptisch bis eiförmig mit einer Größe von bis zu 45 Zentimetern. Der Blattrand ist gewellt und kann den Boden berühren. Die Blätter sind dunkelgrün und runzelig. Die Blüten stehen einzeln in den Blattachseln, sind zwittrig und haben eine doppelter Blütenhülle. Die Kelchblätter sind 6 bis 28 Millimeter lang und teilweise verwachsen. Die Kronblätter sind weißlich-grün bis hellblau oder violett und 12 bis 65 Millimeter lang, glockenförmig verwachsen. Die Staubblätter sind mit der Krone verwachsen und die Staubfäden sind 7 bis 15 Millimeter lang. Die Beeren sind bei Reife gelb bis gelb-orange, saftig und essbar, während die Samen nierenförmig und 2,5 bis 6 Millimeter lang sind.

Als Räucherpflanze wird sie bei Kopfschmerzen verwendet, oder um böse Geister (Exorzismus) zu vertreiben.

🛑 Achtung: In zu hohen Dosierungen kann die kritische Schwelle schnell überschritten sein, da diese von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Sie kann Delirien und schließlich auch tödlich endende Atemlähmung bewirken. Aus diesem Grund wird hiermit vor Selbstversuchen mit Alraunenwurzel ausdrücklich gewarnt!!!

Die Königin der Zauberkräuter

Die Blätter wurden gekocht und als Gegenmittel eingesetzt, wenn jemand augenscheinlich „verzaubert“ war, also nicht mehr er selbst, sondern ein anderes Wesen. Kaum eine Pflanze hat die Fantasie der Menschen über Jahrtausende derart angeregt, wie gerade die Alraune. Der Mythos lebte erst kürzlich in Harry-Potter-Geschichten wiederum auf und hat nichts von seiner Faszination verloren. Der Grund sind sicher nicht nur die bewusstseinsverändernden (und hoch giftigen) Stoffe der Alraune, es sind die glücksbringenden Eigenschaften, die man ihr zuschreibt. Die Alraune ist gleichermaßen fürchterlich und gnädig. Die menschenähnlich aussehende, bis zu 60 cm lange Wurzel verleiht dem Besitzer Glück in der Liebe und Reichtum im Überfluss, aber nur dann, wenn er sie sorgsam behandelt und zum richtigen Zeitpunkt noch vorsichtiger ausgräbt. Bei unsachgemäßer Behandlung schreit sie in lauten, kreischenden Tönen, die wahnsinnig machen oder den Tod bringen können. (Auszug aus dem Buch „Die Kräuter in meinem Garten“)

Trotz der zahlreichen Legenden um die Alraune war man sich schon frühzeitig ihrer tatsächlichen heilkräftigen Wirkung bewusst. Im Papyrus Ebers, der berühmten Heilschrift der alten Ägypter, deren Entstehung auf den Zeitraum zwischen 1700 und 1600 v. Chr. datiert wird, finden sich zahlreiche Rezepturen mit Alraune, die gegen allerlei Beschwerden helfen sollen. Hippokrates, Vater der so genannten empirischen, also auf Erfahrungswerte gegründeten Medizin und einer der bedeutendsten Ärzte der Antike (460-375 v. Chr.) verordnete sie gegen Schlafstörungen, Depressionen, Ängste und psychische Beklemmungen.

Viele der als Hexen zum Feuertod Verdammten suchten ihre Qualen zu lindern, indem sie zuvor Alraunenwein tranken.

Überlieferte Ausgrabungszeremonie:
In einer Vollmondnacht, um die Sonnenwende, bevorzugt an einem Freitag, eine Stunde vor Mitternacht, geht man zur Pflanze und macht drei Kreuze über sie. Es werden um sie herum mit der linken Hand drei vollständige Kreise gezogen. Dann gräbt man in einigem Abstand so tief, wie die Wurzel lang ist, sie darf dabei nicht berührt werden, noch soll sie sich bewegen. In Ermangelung eines weißen oder schwarzen Hundes, an dessen Schwanz in früherer Zeit die Wurzel gebunden wurde, damit er sie herauszog und so den Todesfluch auf sich nahm, zieht man die Wurzel mit einem weißen oder schwarzen Tuch heraus, dabei sollen die Ohren durch Stöpsel verschlossen sein. Ist die Wurzel ohne Verletzung dem Boden entnommen, ist keine Störung mehr zu befürchten.

Als Amulett wäscht und bekleidet man sie und bewahrt sie an einem sicheren Ort auf. Es ist in der Tradition wichtig, die Wurzel vor dem Tod weiterzugeben, und zwar immer billiger, als man sie selbst erstanden hat.

Hildegard von Bingen: Der Mensch wird gemäß seinen Wünschen, seien sie gut oder schlecht, von der Alraune angetrieben. Wenn man sie aus der Erde ausgegraben hat, soll man sie schnell für einen Tag und eine Nacht in eine Quelle legen, so wird alles Üble und der verderbliche Saft aus ihr herausgezogen, sodass sie nicht länger zur Magie taugt. Wer im Kopf Schmerzen hat, der esse vom Kopf der Wurzel, wer in der Hand Schmerzen hat, der esse von der Hand, wer im Rücken Schmerzen hat, der esse vom Rücken.

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