Leicht giftig
Wirkung:
abtreibend, aromatisch, adstringierend, emenagog, magenstärkend
Anwendungsbereiche:
Zahnfleischerkrankungen, Geschwüre, Schnittwunden, Fieber, Erkältungen, Entzündungen, Infektionen, Magen-Darm-Beschwerden, Blutungen, Nasenbluten
Verwendete Pflanzenteile:
Rinde, Blätter
Sammelzeit:
Frühjahr bis Herbst
Zu finden:
An Randbereichen von Mooren, in feuchten Kiefernwälder und Feuchtheiden. Steht unter Naturschutz.
Inhaltsstoffe:
Gerbstoffe, ätherische Öle, Flavonglykoside (Myricitin)
Sonstiges:
Der Gagelstrauch ist ein verzweigter, sommergrüner Strauch, der 0,5 bis 1,5 Meter hoch wird. Seine Äste sind dunkelbraun und drüsenbesetzt. Die wechselständigen, einfachen Laubblätter sind 2,5 bis 5 Zentimeter lang, verkehrt-eiförmig und haben eine ledrige Textur. Sie sind dunkelgrün auf der Oberseite und heller darunter. Die Blütezeit ist von April bis Mai, und der Gagelstrauch ist meist zweihäusig, kann aber auch einhäusige oder zwittrige Pflanzen haben. Die kleinen Blüten erscheinen ohne Blütenhülle in axillaren Blütenständen. Weibliche Blüten stehen in dichten, rötlichen Gruppen, während männliche Blüten in längeren, bräunlichen Kätzchen wachsen. Die Früchte sind kleine, drüsige Nüsse, die etwa 3,5 Millimeter groß sind.
🛑 Diese Pflanze hat eine abtreibende Wirkung und sollte deshalb von schwangeren Frauen nicht verzehrt werden. Die Blätter enthalten die meisten Giftstoffe. Ihr Verzehr kann Schwindel und Kopfschmerzen verursachen. Bei der Dosierung sollte auf eine Überdosierung aufgepasst werden, im Zweifelsfalle den Arzt oder Apotheker fragen!
Der Gagelstrauch wurde schon früher zum Bierbrauen verwendet. Aus Analysen in Dänemark wurde festgestellt, dass bereits schon um 1400 v. Chr. das Gagelbier getrunken wurde und ab etwa 1100 v. Chr. wurde das Getränk auch mit Wein vermischt. Solche tiefgehenden Untersuchungen wurde im europäischen Raum noch nicht gemacht, aber Handelswege machen ein solches Gebräu in ganz Nord- und Mitteleuropa denkbar. Aus archäologischen Funden im Gebiet der Rheinmündung kann angenommen werden, das Gagel dort zur Zeit Christi Geburt ebenfalls zum Bierbrauen verwendet wurde. Die übliche Bezeichnung der Kräutermischung nannte man Grut, daher nennt man das Bier auch heute noch Grutbier. Bevor der Hopfen überhaupt bekannt und zur Verfügung stand, wurde das Bier mit unterschiedlichen Kräutermischungen gebraut, der Grut-Mischung und diese bestand meistens aus regional verfügbaren Kräutern. Durch Brautraditionen und der Biergeschichte ist das Gagelbier bis heute noch lebendig geblieben und man kann es sogar online erwerben. Online gibt es auch einige Rezepte dazu.
Die Blätter können zum Räuchern verwendet werden.
In der Küche kann man die getrockneten Blätter als Gewürz oder Tee nutzen und die frischen Blätter können in Suppen und Eintöpfen mit gekocht werden. Sie haben einen beeindruckendes Aroma. Das aromatische ätherische Öl war und ist Bestandteil von Kräuterlikören. Sein würziges, teils rauchig-erdiges und leicht mit dem Aroma von Lorbeerblättern vergleichbares duftendes Öl wird auch gerne in der Parfumherstellung verwendet.
Als Gerberpflanze fanden die Wurzeln und die Rinde Anwendung und als insektenvertreibendes Mittel wurden die Zweige auf die Dielenböden gelegt um so Ungeziefer fernzuhalten.
Aus der Fruchthülle wird ein Wachs gewonnen. Dazu nimmt man die Früchte und überbrüht diese mit kochendem Wasser, lässt sie einige Minuten eingetaucht bis das Wachs an der Oberfläche schwimmt. Dann schöpft man es ab. Dies macht man mehrmals hintereinander. Anschließend siebt man es durch ein Musselintuch und kann es dann so zur Herstellung von Duftkerzen verwenden. Die Kerzen duften dann wunderschön, nur leider produziert diese Art nicht genug Wachs um sie kommerziell rentabel zu machen.
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