Schlafmohn (Papaver somniferum)

Giftig

Wirkung:

schlaffördernd, schmerzstillend, stopfend, hustenreizstillend, krampflösend, durchblutungsfördernd

Anwendungsbereiche:

Von einer Selbstanwendung wird dringend abgeraten!

Schmerzen aller Art, Narkosemittel, Magen-Darmprobleme, zu hoher Cholesterinspiegel, Schlaganfall, alle Beschwerden des Greisenalters, Schädeltrauma, Depressionen, Störungen des vegetativen Nervensystems, Einschlafproblemen, Husten, Schlafstörungen, Läuse, Nissen

Verwendete Pflanzenteile:

grüne Mohnkapseln, Samen

Sammelzeit:

August

Zu finden:

Auf Anbauflächen, ansonsten in den Heimatländern Asien und Mittelmeerländer.

Inhaltsstoffe:

100 Alkaloide, Morphin, Codein, Noscapin, Papaverin, Enzyme, Calcium, Fett, B-Vitamine, Proteine

Sonstiges:

☕ Tee: etwa 1 bis 2 g zerkleinerte Mohnkapseln mit 1/4 Liter heißem Wasser aufgießen und kurz ziehen lassen. Durch das Wasser wird das enthaltene Morphium (0,1 %) herausgelöst. Der Tee wirkt schmerzlindernd.

Der Schlafmohn ist eine einjährige Pflanze, die 0,3 bis 1,5 Meter hoch wird. Der aufrechte Stängel ist selten verzweigt und bildet eine Pfahlwurzel. Die Laubblätter sind 5 bis 20 Zentimeter lang und haben einen gezähnten Rand. Die Blütezeit dauert von Juni bis August, und die Blütenknospe ist 15 bis 25 Millimeter lang. Beim Öffnen fallen die zwei Kelchblätter ab. Die Blüten haben einen Durchmesser von 5 bis 10 Zentimetern und sind radiärsymmetrisch. Die vier Blütenkronblätter sind weiß bis violett und haben einen dunklen Fleck am Grund. Die Staubblätter sind in gelbe Staubfäden und kleine Staubbeutel gegliedert. Nach wenigen Tagen sind die Blüten bestäubt und werfen ihre Kronblätter ab. Die Kapselfrüchte enthalten hunderte nierenförmige, harte Samen, die unterschiedlich gefärbt sind. Eine Sorte mit grauen Samen, der Waldviertler Graumohn, ist in Österreich beliebt. Die Tausendkornmasse beträgt etwa 0,3 bis 0,7 Gramm.

🛑 Vorsicht! Alle Produkte die aus Schlafmohn gewonnen werden, unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Opiumhaltige Präparate können nur vom Arzt verordnet werden. Morphin kann psychisch und physisch abhängig machen. Bei Überdosierung von Morphin setzt der Tod (Letale Dosis) durch Atemdepression ein. Kann Wahrnehmungsstörungen, Erbrechen und in entsprechender Dosis eine tödliche Atemlähmung verursachen.

Die Verwendung des Schlafmohns als Nutzpflanze ist in Mitteleuropa seit der jungsteinzeitlichen älteren Phase der Bandkeramischen Kultur, ab etwa 5200 v. Chr. nachgewiesen. Mohn gehört damit zu den ältesten Kulturpflanzen in Mitteleuropa, die nicht nur für ihre essbaren Samen, sondern auch für ihre medizinischen Eigenschaften geschätzt werden. Diese Eigenschaften wurden bereits in der Antike dokumentiert, wo Schlafmohn in verschiedenen Kulturen sowohl zur Linderung von Schmerzen als auch zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt wurde. Die Anbaupraktiken und die Bedeutung des Schlafmohns variierten im Laufe der Jahrhunderte, doch sein kulturelles Erbe und sein Einfluss auf die Landwirtschaft in der Region sind bis heute spürbar.
Der Schlafmohn wird zudem häufig in der Volksmedizin erwähnt und gilt als Symbol für Fruchtbarkeit und Ruhe, was seine Verwendung in verschiedenen rituellen Kontexten verstärkt hat.

Der Mohn, als wichtiges schmerzlinderndes Mittel, ist seit Jahrhunderten bekannt. Die narkotisierenden Stoffe sind das wichtigste was das Pflanzenreich besitzt. Wenn man unreife Samenkapseln anritzt, tritt ein Milchsaft aus der dann getrocknet wird zu einer elastischen Masse – das sogenannte „Opium“. Aus diesem Rohopium kann Morphium hergestellt werden und daraus wieder Heroin. Da der Schlafmohn eines der gefährlichsten Suchtmittel ist, ist der Anbau in Deutschland genehmigungspflichtig.

Weitere Produkte des Schlafmohns sind die in dem weißen Milchsaft enthaltenen Alkaloide. Zu den wichtigsten der insgesamt 40 Alkaloide zählen Morphin, Codein, Papaverin, Noscapin (= Narkotin), Thebain und Narcein. Morphin, Codein und Thebain sind Morphinanderivate. Narkotin, Papaverin und Narcein dagegen sind Benzylisochinolinalkaloide. Ein großer Teil liegt als Salz mit der Mekonsäure gebunden vor (so genannte Mekonate). Das Heroin wird synthetisch aus dem Mohn-Inhaltsstoff Morphin hergestellt, ist aber selbst nicht im Mohn enthalten.

Damals wurde der Schlafmohn als Narkosemittel bei Operationen und Verletzungen angewandt. Andererseits war es als Aphrodisiakum seit unendlich langer Zeit in Gebrauch. Mohn gehört trotz und gerade wegen seiner bemerkenswerten Inhaltsstoffe zu den wichtigsten Medizinalpflanzen der Menschheit.

Die ölhaltigen, nussig duftenden Samen des Schlafmohns werden hauptsächlich für Süßspeisen wie Mohnkuchen und Mohnbrötchen verwendet. Zudem dienen die Samen als Gewürz und für die Ölgewinnung, beispielsweise für Speiseöl oder Kosmetik. Mohn ist außerdem als Futtermittel und in der Pharmazie gefragt. Die Mohnsaat ist reich an Calcium und B-Vitaminen. Der Morphingehalt ist normalerweise sehr gering, kann aber aufgrund von Anbau- und Verarbeitungsmethoden variieren. Insbesondere neue Erntemethoden können die Kontamination mit Alkaloiden erhöhen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfahl daher eine maximale Morphinaufnahme und wies auf die Notwendigkeit hin, den Alkaloidgehalt zu senken. In den reifen Samen ist der Milchsaft nicht enthalten, jedoch kann bei der Ernte eine Verunreinigung mit Thebain geschehen. Der Verzehr von Mohn kann bei Drogentests zu positiven Ergebnissen führen, weshalb in Gefängnissen und oft in Krankenhäusern der Verzehr von Mohnspeisen untersagt ist.

Siehe auch Klatschmohn

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